Vergleich Schnurlostelefone: Gigaset SL910A auf Augenhöhe mit Fritz!Fon MT-F?

Gigaset_SL910Es ist nicht die beste Zeit für Hersteller von Telefonen. In einer Zeit in der fast jeder ein Smartphone mit entsprechender Flatrate besitzt, stellen sich die meisten Nutzer die Frage, wozu noch ein Festnetztelefon? Was kann denn dieses, was mein Smartphone nicht kann? Gigaset versucht mit neuen Modellen, die Existenz des "Festnetztelefons" zu rechtfertigen und diese regelmäßig neu zu erfinden. Ist dem Marktführer dies gelungen? Und gibt es ernstzunehmende Konkurrenz auf dem Markt der Schnurlostelefone?

Die Recherche ergab folgendes: in Punkto Material und Design kann besonders der Hersteller Grundig mit der hochwertigen Griffigkeit der Gigasets mithalten. In Sachen Ausstattung und Leistung ist dagegen Panasonic ein starker Konkurrent.
Doch da gibt es noch einen: Erst im Oktober zog die Gigaset AG wegen angeblicher Patentverletzung gegen den FRITZ!Box Hersteller AVM vor Gericht. Die Klage bezieht sich auf die herstellerübergreifende Technik DECT-GAP. Ist hier etwa ein Konkurrenzprodukt in Augenhöhe zu finden? Wir haben einmal die beiden Vorzeigemodelle beider Unternehmen miteinander nach Preis und Leistung verglichen und die Ergebnisse in dem folgenden Artikel zusammengefasst:

Das Wichtigste nehmen wir schon einmal vorweg, den Preis: hier unterscheiden sich beide Modelle erheblich:
Das Fritz!Fon MT-F ist bereits ab ca. 60 €  zu haben wogegen der Marktführer Gigaset erst ab ca. 138 € beginnt. Wo liegen die Gemeinsamkeiten und wo die Unterschiede?

Verarbeitung und Design
Das Design des Gigaset´s ist sehr elegant und modern. Das hochwertige Smartphone-Outfit mit Schwarzem Klavierlack und mit hellen Metall-Elementen lässt das Telefon hochwertig und gut verarbeitet wirken. Durch sein höheres Gewicht (ca. 160 Gramm) liegt es sehr gut in der Hand, könnte jedoch bei längeren Gesprächen etwas zu schwer werden. Für das beliebte "Zwischen Ohr und Schulter Klemmen", wenn mal keine Hand frei ist, ist die Form und die geringe Größe (134x58x16 mm) des Gerätes nicht wirklich gut geeignet. Allerdings kann in solchen Fällen ein Bluetooth-Headset angeschlossen werden.
Für verwöhnte Smartphone Nutzer kommt es dem Design, im Vergleich zu den anderen am Markt befindlichen Modellen, am nächsten. Die Kombination aus Klavierlackoptik und Touchdisplay könnte den ein oder anderen zu häufigerem Putzen verleiten.

Das Fitz!Fone MT-F entspricht dagegen eher der Vorstellung eines Schnurlostelefons. Bei dem Material herrscht schwarzer Kunststoff vor und es besitzt noch herkömmliche Bedientasten. Durch den Kunststoff wirkt es nicht ganz so hochwertig wie das Gigaset, ist jedoch gut verarbeitet, recht schlank und sieht schick aus. Mit 92 Gramm ist es deutlich leichter aber mit den Maßen 150x50x14 mm auch größer als das Gigaset.

AVM_FRITZFon_MT-FDisplay/ Bedienerfreundlichkeit und Tasten
Das Gigaset besitzt anstelle der Tasten einen 3,2-Zoll Full-Touchscreen-Display mit dem fast alle Befehle ausgeführt werden. Für Touchscreen-Unerfahrene Nutzer und selbst für die mit Erfahrung, ist dieser eine echte Herausforderung. Das Grundprinzip ist einleuchtend. Über drei Home-Bildschirme werden Kontakte, Verbindungen und individuelle Einstellungen angezeigt. Doch je tiefer in das Menü eingestiegen wird, umso weniger kann von intuitiver Bedienung gesprochen werden. Oft müssen Befehle sehr präzise angewählt werden und die Ausführung ist recht gewöhnungsbedürftig. Die Folge sind ungewollte Anrufe und nerviges Anwählen der falschen Memüpunkte. Doch mit ein weinig Geduld und noch mehr Übung gewöhnt man sich daran. Schwieriger wird es dann schon mit der Reaktion des Gerätes. Durch die Touch-Oberfläche ist das Gerät sehr anfällig für Einfrieren und Systemhänger, in diesen Situationen hilft dann nur die Entnahme des Akkus.

Das Fritz!Fon dagegen dürfte die Nutzer in Bedienfreundlichkeit recht zufrieden stellen. Zwar gibt es nicht das große, schöne Touchdisplay, doch das vorhandene kleinere Farbdisplay ist doch recht hochwertig. Das Menü und die Tasten sind unmissverständlich und auch das Einrichten des Gerätes, mit Hilfe der Fritz!Box, ist sehr einfach. Der einzige kleine Haken ist bei dem Druckpunkt der Tasten zu sehen, die anfangs etwas schwer gehen.

Akustik
Die Akustik ist bei beiden Geräten zufrieden stellend. Wo bei dem Gigaset die Klangqualität bei normalem Telefonieren etwas verbesserungswürdig wäre, besticht dafür die Lautsprecherfunktion mit guten Tönen. Anders bei dem Fritz!Fon, das über einen eher schwachen Lautsprecher verfügt und dafür aber eine sehr gute Klangqualität beim normalen Telefonat aufzeigt. Besonders die HD-Telefonie überzeugt mit sehr natürlichen, deutlichen Tönen. Klingeltöne können bei beiden Telefonen hochgeladen werden.

Gemeinsamkeiten:
Beide Telefone verfügen über ein integriertes Babyphon und eine Bluetooth-Schnittstelle für einfache Verbindung mit einem Headset. Außerdem können die Telefone mit eigener Musik, Bildern und Videos individuell gestaltet werden. Auch eine Synchronisation mit dem eigenen Outlook ist bei den Geräten vorgesehen. Damit verbunden können die Funktionen, wie Wecker und Terminerinnerungen eingestellt werden. Weitere gemeinsame Funktionen sind:

Anrufbeantworter, SMS Schreiben, Gespräche Halten, Anklopfen, Rufumleitung, Vermitteln, Kurzwahlen, Dreierkonferenz, Anruferliste, Verschlüsselung der Gespräche, Eco-Modus (Strahlung reduzieren)

Besonderheiten und Unterschiede:
Weil das Fritz!Fon direkt mit der Fritz!Box verbunden ist, ist es sehr gut für Internettelephonie geeignet. Dadurch sind auch neue Funktionen nutzbar. Zum Beispiel E-Mails lesen und darauf antworten, RSS-Feeds empfangen sowie Internetradio und Poscasts anhören. Auch Updates und das Einrichten des Telefons, wie Kontakte und Bilder, sind über die Box gesteuert, vereinfacht möglich. Ob diese Zusatzfunktionen tatsächlich benötigt werden muss jeder für sich entscheiden. Das Fritz-Telefon verfügt außerdem über einen 3,5 mm Klinkenanschluss mit dem über Kopfhörer Musik gehört werden kann.

Das Gigaset punktet mit den Touchscreenfunktionen, wie eine Screensaver Diashow mit den eigenen Bildern. Eine Eingabesperre wird wegen der Touchfunktion notwendig. Außerdem ist eine Vibrationsfunktion vorhanden, die bei Tastendruck und als Anrufanzeige wählbar ist. Eine Mini-USB-Schnittstelle ist ebenfalls vorhanden, um das Telefon mit dem Rechner oder einem Drucker zu verbinden.

Fazit
Das Fritz!Fon MT-F ist ein sehr gutes Telefon und insbesondere für Internettelefonie geeignet. Es ist die perfekte Ergänzung zu einer Fritz!Box, die das Einrichten des Telefons sehr  vereinfacht. Ansonsten hat das Telefon die klassische Form und alle wichtigen Funktionen. Insgesamt 300 Speicherplätze sollten ausreichend sein und auch der Sendeempfang mit 300 m im Freien und 40 m in Gebäuden entspricht dem Durchschnitt der modernen Schnurlostelefone. Der 750 mAh Li-Ion Akku benötigt ca. 6 Stunden zum aufladen und die Mindestgesprächslaufzeit bis zu 10 h ist ebenfalls in Ordnung.
Das Gigaset  kann fast alle diese Werte übertreffen. So hat es 500 Speicherplätze, einen Sendeempfang von 300 m im Freien und 50 m in Gebäuden. Die Gesprächszeit reicht bis zu 14 Stunden und der 1000mAh Li-Ion Akku benötigt ca. 5 Stunden zum Laden. Leider zählt nicht nur was unter der "Haube" ist sondern viel mehr die Bedienerfreundlichkeit und hier haben die Hersteller noch Hausaufgaben. Wir denken, dass mit den nächsten Geräten diese Probleme behoben sein werden und können solange den Pioniergeist des Herstellers loben.

Panasonic_KX-TG8621B-DWer Zuhause weder Fritz!Box, noch den Drang nach einem Schnurlostelefon mit Touch-Bedienung hat, dem können wir das Panasonic KX-TG8621 sehr empfehlen. Denn es gehört in die Leistungsklasse des Gigasets und mit ca. 75 bis 80 € eher in die Preisklasse des Fritz!Fons.