Nokia E7 – erfüllt der Hoffnungsträger seine Aufgabe?

Nun mussten wir, aufgrund der späteren Markteinführung, doch etwas länger darauf warten, das Nokia E7 endlich für euch testen zu können. Doch endlich halten wir es in den Händen und können von den Eindrücken des Smartphones berichten.

Der erste Eindruck ist wirklich überzeugend und durchweg gut, denn bei der Verarbeitung des Gehäuses aus gebürstetem Edelstahl hat Nokia gute Arbeit beleistet. Dieses Design hat uns auch schon beim Nokia X3 Touch and Type überzeugt. Allerdings liegt das E7 durch sein Gewicht von 176 Gramm etwas schwerer in der Hand. Außerdem ist es mit 13,6 mm dicker als die Neustarter-Smartphones der Konkurrenz. Als Gegenleistung bekommt der Nutzer aber eine zusätzliche Tastatur, für die wir gern mehr Gewicht und ein paar Millimeter in der Dicke in Kauf nehmen.

Die Tastatur selbst lässt sich sehr gut bedienen. Mit ausreichend Abstand zwischen den Tasten, können auch gestandene Männer mit großen Händen mühelos Tippen. Auch fühlen sich die Tasten mit ihrer leicht gummierten Oberfläche gut an, sind griffig und reagieren schnell. Sogar die Umlaute sind zu finden.
Um zu der Tastatur zu gelangen, muss die Klappfunktion bedient werden, dessen Mechanismus einen stabilen und gut durchdachten Eindruck macht. Aufgrund der Stabilität müssen anfangs auch beide Hände zum Aufschieben der Tastatur genutzt werden, denn sie geht ein wenig schwer. Nach einiger Übung geht das ganze aber schon einfacher und auch einhändig. Zum besseren Schreiben auf der Tastatur dreht sich natürlich auch der Display automatisch mit, nach unsrem Geschmack funktionierte das recht schnell.

Der Nokia-Nutzer kann außerdem auch die virtuelle Tastatur auf dem 4 Zoll großem AMOLED-Touchscreen-Display nutzen, die ebenso schnell reagiert. Das Display hat starke Farben und ebenso gute Kontraste, könnte jedoch mit 640 x 360 Pixel eine höhere Auflösung vertragen. Gerade bei der Nutzung von Internetanwendungen haben wir dies schmerzlich vermisst. Auf dem Display selbst kann der Zwei-Finger-Zoom angewendet werden, der aber nicht immer so präzise wie gewünscht reagiert hat.

Das Nokia E7 wird über das Betriebssystem Symbian betrieben. Insgesamt können 3 individuelle Displayseiten, also Homescreens, erstellt werden. Das Einstellen funktioniert schnell und wie wir es von Nokia gewohnt sind, auch logisch.

Auf dem Nokia E7 sind, durch die verschiedenen Anwenderseiten auch Multitastking-Funktionen möglich, also das gleichzeitige Nutzen von Internetseiten und anderen Funktionen. Auch eine Flash-Unterstützung ist gegeben. In unserem Test war das E7 aber leider oft mit mehreren Anwendungen überfordert. Es hat sich mehr als einmal aufgehängt und reagierte auf nichts mehr. Besonders langsam und schwierig war es, als wir einige Office Dokumente geöffnet und zusätzlich Musik abgespielt hatten. Das E7 wurde zunehmend langsamer und war mit vielen Anwendungen (auch schon bei einfachen Kamera- oder Kalenderfunktionen) überfordert. In diesem „Freeze-Zustand“ konnten wir weder den Ausschalter finden, noch war in der Bedienungsanleitung eine Notfall-Tastenkombination für diese Situation zu finden. Nicht einmal den Akku konnten wir entnehmen, da dieser fest im Gehäuse verbaut ist. Da hilft nur warten.

Leider kann eine Überstrapazierung des Speichers (16 GB) auch nicht durch die Erweiterung mittels micro-SD-Karte ausgeglichen werden, denn da ist keine vorgesehen. Allerdings haben die Techniker von Nokia die Speichererweiterung nicht ganz vergessen, denn über Micro-USB-Anschluss und ein zusätzliches Adapterkabel, können externe Speichergeräte oder sogar eine Computermaus angeschlossen werden. Dies nützt nur Geschäftsläuten, die Dokumente darauf speichern und bearbeiten möchten, und den Musikfans, die das Smartphone ebenso als Musik-Abspielgerät nutzen, eher wenig. Für letztere befindet sich aber ein 3,5 mm Klinkenanschluss am Gehäuse. Zudem können wir den integrierten Lautsprecher loben, der laute und deutliche Klänge von sich gibt.

Das können wir allerdings nicht von der Gesprächslautstärke behaupten, denn trotz höchster Einstellung, ist diese merklich zu leise, besonders bei Straßen- und Umgebungslärm. Da kann nur auf den Lautsprecher ausgewichen werden, aber wer will schon seine Gespräche mit der ganzen Umgebung teilen.

Das Nokia E7 hat eine 8 Megapixelkamera mit 2-fachem Foto und dreifachem Videozoom. Sie nimmt Videos bis zu 720p auf und kann diese über einen HDMI-Anschluss direkt auf einen Fernseher übertragen. Eine Kamera für Videotelephonie  und zwei LED-Blitzlichter sind ebenfalls vorhanden. Bei Unserem Test hat die Kamera sehr gute und helle Bilder geschossen. Über die Videos und Tonqualität können wir auch nur Gutes berichten. Die automatische Gesichtserkennung hat ohne Probleme und mit guten Ergebnissen funktioniert. Leider hat die Kamera keinen Autofokus.

Auch die Funktionen für Navigation und Kompass liefen ohne Probleme und haben uns in Anwendung und Optik sehr gut gefallen. Sehr nützlich ist auch, dass durch langes Drücken der Tastensperre die LED-Lampe aktiviert wird – sehr praktisch für die Schlüssellochsuche im Dunkeln. Trotz häufiger Nutzung innerhalb unseres Tests hat der Akku zweieinhalb Tage durchgehalten, was wir für ein Smartphone in dieser Größe und mit Multitaskingfunktionen und Apps als sehr guten Wert ansehen.

Bedientasten und Schnittstellen des E7:

  • Home-Taste
  • Ein/Aus-Taste
  • Verriegelungstaste
  • Kamerataste
  • Lautstärketaste
  • mini-USB-Anschluss
  • 3,5 mm Klinkenanschluss
  • HDMI-Schnittstelle

Fazit: Bisher waren wir von Nokia stets viel Telefon und wenig Smartphone gewöhnt. Auch die bisherigen Smartphones haben besonders durch die grundsätzlichen Eigenschaften, wie die Telefonie und Bedienfreundlichkeit überzeugt. In Sachen Bedienung ist sich Nokia treu geblieben und bietet nach wie vor einfache, intuitive Funktionen und sinnvolle Bedienelemente. Auch die gesamte Verarbeitung, der Dislpay und die Kamera haben uns überzeugt. Leider finden wir an einem Telefon – und auch an einem Smartphone – das Telefonieren immer noch am wichtigsten. Und da hat uns das Nokia E7 enttäuscht, denn zu geringe Lautstärke bei Gesprächen und ständige Neustarts machen uns, und sicher auch den Anwendern gar keinen Spaß. Wer allerdings darauf verzichten kann, das E7 mit viel Speicher zu belegen, hat auch Spaß an dem Nokia Smartphone und kann es sich derzeit bei Amazon schon für ca. 505 € kaufen. Wer allderdings weiter nach einem guten Smartphone mit Tastatur sucht, wird vielleicht bei dem Motorola Milestone 2 (bereits ab knapp 400 €) fündig.