Testbericht – Studiokopfhörer Beyerdynamic DT 770 Pro 250 Ohm

Beyerdynamic DT 770 Pro 250 ohmSeit längerer Zeit sind die Beyerdynamic Over-Ear- Studiokopfhörer bereits ein Geheimtipp in der Musikszene. Heute möchten wir diesen Geheimtipp hinterfragen und herausfinden, ob die Kopfhörer über den Studioeinsatz hinaus gut einsetzbar sind. Dabei werden wir neben der Verarbeitung und dem Tragekomfort auch den Klang und die Geräuschabschirmung bewerten.

Mit einem Preis von ca. 149 Euro sind die ohrumschließenden Studiokopfhörer im Mittelfeld ihrer Produktklasse anzusiedeln.

Vorgesehen ist der Beyerdynamic DT 770 Pro für den stundenlangen  Einsatz als Monitorkopfhörer in Studios. Auch deshalb hat der Hersteller viel Wert auf einen hohen Tragekomfort gelegt. Die Ohrmuscheln sind mit einem grauen, weichen und angenehm tragbarem Stoff bezogen, der sich zudem austauschen lässt. Auch die Polsterung des Bügels kann mit Hilfe von Druckknöpfen einfach gesäubert oder getauscht werden.

Der sichere Sitz auf den Ohren wird durch die um 4 Zentimeter verstellbaren Gabelgelenke und neigbare Muscheln möglich. Die Federstahlbügelkonstruktion erzeugt dabei einen straffen, aber angenehmen Aufsitzdruck, der einer guten Geräuschabschirmung dient. Häufiges Auf- und Absetzen wird durch die einseitige Kabelführung vereinfacht. Das 3 Meter lange Spiralkabel ist kein bisschen störrisch und überzeugt durch seine Beweglichkeit.

Die Verarbeitung und das Material machen einen sehr soliden Eindruck. Dies beginnt bei der Kabelanbindung, geht über die verstellbaren Bügel und reicht hin zum vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker, zu dem es auch eine 6,35 mm Adapteralternative gibt. Gute Verarbeitung zeigt sich allerdings oft im Gewicht. Und so bringen die DT 770 Pro (ohne Kabel) 270 Gramm auf die Waage, was für gute Studiokopfhörer gerade (noch) erträglich ist.

Technische Fakten des Beyerdynamic DT770 Pro (250 ?)

– Übertragungsbereich: 5 – 35.000 Hz
– Nennimpedanz: 250 Ohm
– Kennschalldruckpegel 96 dB
– Klirrfaktor: >0,2 %
– Nennbelastbarkeit: 100 mW
– Isolierung von Außengeräuschen ca. 18 bBA
– Nennandrückkraft ca. 3,5 N
– Gewicht ohne Kabel:    270 g
– Kabellänge Spiralkabel 3 m
– Vergoldete Stereo-Klinkenstecker 3,5 und 6,35 mm

Hörerlebnis
Der sichere und feste Sitz des geschlossenen Kopfhörers erhöht den Anpressdruck an die Ohren und minimiert somit die Wahrnehmung der Umgebungsgeräusche. Die tatsächliche Abschirmung der Geräusche ist gut, solange die Lautstärke der abgespielten Musik stimmt. Allerdings sind in einem sehr lauten Umfeld, wie einem Großraumbüro mit viel Bewegung, nie alle Geräusche ausblendbar. Die Geräuschkulisse, die der Kopfhörer an die Umgebung abgibt, ist ebenfalls erträglich. Nur einer erhöhten Lautstärke sind auch diese Geräusche wahrnehmbar.
Räumliche Wiedergabe
Das so genannte Soundstage-Erlebnis ist bei diesen Kopfhörern einmalig. Die Klänge sind einzeln erkennbar und lassen sich, mit vielen Details, fast orten. Viel Freude bereitet in dem Zusammenhang gute elektronische Musik oder Klangwelten, die einen breiten Stereosound bieten. Aber auch klassische Konzerte, professionell mitgeschnittene Rock- oder Popkonzerte oder einfach brillante Aufnahmen von heute oder der Musikgeschichte (Bohemian Rapsody von Queen), geben einem das Gefühl, direkt im Konzertsaal zu sitzen. Die guten räumlichen Eigenschaften machen die Kopfhörer so auch für den Einsatz im Gaming- oder Heimkinobereich interessant.

Gesamthöreindruck
Das Bassreflexsystem gibt Bässe verhältnismäßig trocken und ohne Verzerrungen wieder. Einzig die hohen Bässe waren ein wenig laut, wohingegen mittlere Frequenzen noch auffälliger sein könnten. Auch bei den Höhen werden alle Frequenzen erwartungsgemäß, ohne Verzerrung abgebildet.
Je schlechter die Aufnahmequalität der Musik ist, desto unbarmherziger gibt der DT 770 Pro die Fehler und Schwächen in der Aufnahme wieder. Schwierig sind vor allem Amatuer Live-Mitschnitte von Konzerten oder seichte Popmusik mit hellen Frauenstimmen. Denn diese sind geprägt von Knistern, Zischen oder Schall.

Verstellbare BügelDoch der vermeintliche Nachteil im Klang ist eigentlich die wesentlichste Eigenschaft eines guten Studiokopfhörers, bei dem es nunmal darum geht, Schwächen in der Aufnahme kompromisslos aufzudecken. Erst so wird die präzise Beurteilung eines Mixes möglich.

Wer sich die Beyerdynamics jedoch für den privaten Gebrauch anschaffen möchte, sollte auch wissen, dass eben diese Eigenschaft die Musik auch ein wenig emotionslos macht. Sie wird in ihrer ursprünglichen Form und ohne eigene Note schlicht „wiedergegeben“. Besonders ein Album von Adele, das normalerweise nur so vor Emotionen sprüht, ist uns wegen seiner klirrenden Pegel und einem dumpfen Gesamteindruck in Erinnerung geblieben.

Ob beim Mischen und Aufnehmen von Musik im Studio, beim Abschalten mit Musik im Alltag oder im Büro – Ob bei Rockmusik von Metallica, elektronischer Musik oder klassischen Orchesterwerken – die Kopfhörer bieten ein sehr gutes Hörerlebnis, solange die Aufnahme stimmt. Wem die Wiedergabe der „puren“ Aufnahme nicht reicht, der sollte eher zu einem Kopfhörermodell greifen, das die Aufnahmen ein wenig gefälliger wieder gibt und die Schwächen nicht mit ausliefert.

Weiterführende Links:

  • Bei den Kollegen von delamar.de finden Sie einen sehr guten Testbericht zur 80 ohm Variante des Kopfhörers. Hier gehts zum Bericht
  • Eine Erklärung, worin der Unterschied zwischen der 80- und der 250 Ohm-Variante liegt, bietet der Hersteller Beyerdynamic selbst. Zitat von dieser Seite:  „das bedeutet, bei ansonsten baugleichen Kopfhörer (z. B. DT 770 Pro mit 80 oder 250 Ohm) klingt die hochohmigere Variante üblicherweise neutraler, ist aber (je nach Kopfhörerverstärker) eventuell etwas leiser.“ zur Quelle
  • Besprechung zum Produkt im Hifi-forum: hier